Operative Reaktionsfähigkeit in der Intralogistik – Determinanten aus der Perspektive von Blue-Collar-Beschäftigten
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https://doi.org/10.2195/lj_Proc_meyer_de_202610_01Schlagworte:
Intralogistik, operative Reaktionsfähigkeit, Blue-Collar-Beschäftigte, Automatisierungsgrad, Industrie 5.0Abstract
Operative Reaktionsfähigkeit gilt in der Intralogistik als zentrale Leistungsgrösse, wird jedoch überwiegend technisch diskutiert. Der vorliegende Beitrag wechselt die Blickrichtung. Er fragt die Blue-Collar-Beschäftigten selbst, die die operative Reaktion tagtäglich vollziehen, welche organisatorischen Bedingungen diese Reaktionsfähigkeit bestimmen. Datengrundlage sind 23 leitfadengestützte Experteninterviews aus Handels- und Industrieunternehmen der Deutschschweiz, ausgewertet mittels qualitativer Inhaltsanalyse. Aus dem Material werden fünf organisatorische Determinanten verdichtet: Prozessstabilität, Entscheidungsrechte und Eskalationswege, kurze Kommunikationsschleifen, Erfahrungswissen sowie eine lernorientierte Fehlerkultur. Drei Befunde treten hervor. Erstens benennen die Befragten von sich aus durchgängig einfache, personengebundene und lokale Arbeitspraktiken als wirksam; benannte Methoden-Frameworks bleiben marginal. Zweitens beschreiben Entscheidungsrechte und Erfahrungswissen zusammen den Spielraum der Beschäftigten, selbst entscheiden zu dürfen und dabei auf Erfahrung zurückgreifen zu können; aus ihrer Sicht ermöglicht dieser Spielraum die Reaktion. Drittens verweisen die Schilderungen auf den Autonomiegrad der eingesetzten Systeme. Je höher dieser ausfällt, desto enger wird der Spielraum, und desto stärker richtet sich die Reaktionsfähigkeit nach dem, was die Technik vorsieht. Der Beitrag überführt diese Befunde in sieben hypothesengenerierende Propositionen und plädiert dafür, bei der Planung des Gesamtsystems als eigene Grösse mitzudenken, wo die Entscheidung beim Menschen bleibt. Gerade im Kontext von Industrie 5.0 und anhaltendem Fachkräftemangel gewinnt diese Gestaltungsfrage zusätzlich an Gewicht.
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